Nachlass planen
Wer seinen Nachlass rechtzeitig plant, schafft Klarheit für sich selbst und entlastet Angehörige. Gerade im Alter geht es oft nicht nur um Vermögen, sondern auch um Sicherheit, Familienfrieden und die Frage, wie der eigene Wille zuverlässig umgesetzt werden kann.
Auf dieser Seite findest Du eine Orientierung in drei Schritten: 1. Bestandsaufnahme, 2. Ziele festlegen und 3. Regelungen umsetzen.
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Warum es sinnvoll ist, den Nachlass frühzeitig zu planen
Ohne klare Regelung gilt im Erbfall die gesetzliche Erbfolge. Das entspricht nicht immer den persönlichen Wünschen. Zudem können Pflichtteilsansprüche, eine Erbengemeinschaft oder unklare Vermögensverhältnisse später zu Streit führen. Eine gute Planung hilft, Konflikte zu vermeiden und den eigenen Vorstellungen Geltung zu verschaffen.
1. Überblick verschaffen: Vermögen und Familie
Worin besteht mein Nachlass?
Zu einer geordneten Nachlassplanung gehört zunächst eine möglichst vollständige Bestandsaufnahme. Dazu zählen Immobilien und bewegliche Gegenstände, Geldvermögen und Wertpapiere, Forderungen, Rechte und Beteiligungen – jeweils möglichst mit genauer Bezeichnung, Aufbewahrungsort und Zugang (z. B. Bankschließfach, wichtige Unterlagen oder Passwörter).
Gibt es Schulden oder Verpflichtungen im Nachlass?
Zum Nachlass gehören nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Verbindlichkeiten. Verschaffe Dir daher auch einen Überblick über z. B. Schulden, Bürgschaften oder laufende Verpflichtungen.
Wie ist meine persönliche und familiäre Situation?
Für eine sinnvolle Nachlassregelung ist auch die familiäre Lage wichtig: z. B. Partnerschaft mit oder ohne Trauschein, getrennt lebend, geschieden, wiederverheiratet, Kinder aus aktueller oder früherer Beziehung, Stief- oder Adoptivkinder, Krankheits- oder Pflegefall oder ein ständiger Aufenthalt im (EU-)Ausland.
Können gesetzliche Pflichtteilsansprüche entstehen?
Auch wenn Du eigene Regelungen triffst, können Pflichtteilsansprüche von Kindern oder anderen pflichtteilsberechtigten Angehörigen bestehen. Es lohnt sich, diese früh mitzudenken.
Nicht vergessen: auch den digitalen Nachlass
Besondere Lebenssituationen
Zu diesem Abschnitt können sich je nach Lebenssituation weitere Fragen stellen.
Patchworkfamilie:
Habe ich Kinder aus verschiedenen Beziehungen? Sind alle Kinder rechtlich gleichgestellt
oder gibt es auch Stiefkinder, die ohne besondere Regelung nicht erben würden?
Bestehen frühere Vermögensübertragungen oder Bindungen aus einer früheren Partnerschaft?
Alleinstehend:
Wer kommt für mich überhaupt als Erbe in Betracht, wenn ich keine eigene Familie habe
oder enge Angehörige fehlen? Möchte ich gezielt Freunde, weiter entfernte Verwandte
oder eine gemeinnützige Einrichtung bedenken?
Eltern mit junger Familie:
Wie sind mein Partner und meine Kinder abgesichert, wenn mir frühzeitig etwas zustößt?
Gibt es Vermögen, das vor allem der Familie und dem weiteren Aufbau ihres Lebens dienen soll?
Großeltern:
Haben meine Kinder bereits eigenes Vermögen? Möchte ich daneben auch Enkel berücksichtigen?
Gibt es besondere familiäre oder wirtschaftliche Bedürfnisse, die ich schon bei der Bestandsaufnahme im Blick haben sollte?
2. Entscheidungen treffen: Ziele und Verteilung
Welche Ziele habe ich für meinen Nachlass?
Überlege, was Dir besonders wichtig ist: Wer kommt für welche Vermögensteile in Betracht? Was soll erhalten bleiben – etwa im Familienbesitz – und bei wem?
Wer soll Erbe werden?
Wer soll den Nachlass im Wesentlichen erhalten und mit Deinem Tod in Deine Rechte und Pflichten eintreten?
Wenn Dir bestimmte Ziele besonders wichtig sind: Was soll gelten, wenn ein vorgesehener Erbe vorverstirbt oder die Erbschaft ausschlägt?
Wer soll ein Vermächtnis erhalten?
Nicht jede Zuwendung muss über die Erbenstellung erfolgen. Es kann auch sinnvoll sein, einzelnen Personen einen Geldbetrag, einen Gegenstand oder einen sonstigen Vermögensvorteil zuzuwenden.
Will ich Erbeinsetzungen oder Zuwendungen mit Auflagen oder Bedingungen verbinden?
Soll ein Erbe oder Vermächtnis nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen oder mit Verpflichtungen verbunden sein – etwa die Pflege einer Erinnerung, eine bestimmte Verwendung eines Vermögenswerts oder die Betreuung eines Haustiers?
Wie sichere ich insbesondere meinen Partner ab?
Was muss geregelt werden, damit der Partner finanziell abgesichert ist und sein gewohntes Lebensumfeld behalten kann – insbesondere im Hinblick auf Hausrat und eine selbstgenutzte Immobilie?
Soll Vermögen bereits zu Lebzeiten übertragen werden?
Neben der Regelung des Erbfalls kann sich auch die Frage stellen, ob einzelne Vermögenswerte schon vorher übertragen werden sollen. Dabei geht es oft um Absicherung, Familienfrieden oder steuerliche Überlegungen. ➡️ Mehr dazu auf der Seite „Vermögen übertragen – Erbe oder Schenkung?“
Ist das Ergebnis der Bestandsaufnahme komplex?
Erst wenn Du Deine vermögensmäßige und familiäre Lage sowie Deine Ziele erkannt hast, kann Dich ein Anwalt oder Steuerberater gezielt zu Inhalt und Gestaltung eines Testaments beraten.
Besondere Lebenssituationen
Auch bei den Zielen und der Verteilung können sich je nach Familie unterschiedliche Fragen ergeben.
Patchworkfamilie:
Soll mein aktueller Partner abgesichert werden, ohne dass die Interessen meiner Kinder aus einer früheren Beziehung zu kurz kommen?
Möchte ich Kinder unterschiedlich berücksichtigen oder gerade bewusst gleich behandeln?
Wie kann ich Spannungen zwischen alter und neuer Familienstruktur möglichst vermeiden?
Alleinstehend:
Möchte ich mich eher an der gesetzlichen Erbfolge orientieren oder ganz bewusst eigene Schwerpunkte setzen?
Soll ein Teil meines Vermögens an Menschen gehen, die mir persönlich nahestehen, obwohl sie gesetzlich nicht erben würden?
Kommt auch eine Zuwendung an eine Organisation in Betracht?
Eltern mit junger Familie:
Wie sichere ich den länger lebenden Elternteil ab? Soll Vermögen zunächst beim Partner bleiben
oder unmittelbar auch den Kindern zugutekommen? Wie kann ich Vorsorge dafür treffen,
dass die Mittel tatsächlich der Familie und den Kindern dienen?
Großeltern:
Sollen Kinder gleich behandelt werden oder eher nach Bedarf? Möchte ich Enkel bereits direkt einbeziehen,
etwa für Ausbildung oder Start ins Leben? Ist mir Gleichbehandlung wichtiger oder eine Verteilung,
die ich als sachgerecht und familiär ausgewogen empfinde?
3. Entscheidungen umsetzen: klare Regelungen treffen
Wie vermeide ich Konflikte und wie kann ich Anordnungen umsetzen?
Klare und nachvollziehbare Regelungen helfen, spätere Streitigkeiten zu vermeiden. Ordne Vermögenswerte, die nur einzelne Erben erhalten sollen, eindeutig zu – z. B. durch eine Teilungsanordnung. Prüfe, ob zusätzliche Hinweise oder Erläuterungen sinnvoll sind.
Wenn durch Deine Verfügung mehrere Erben gemeinsam berechtigt sind – etwa an einer Immobilie –, entsteht eine Erbengemeinschaft. Überlege, wie Entscheidungen getroffen werden sollen oder ob es sinnvoll ist, einen Testamentsvollstrecker zu bestimmen.
Wie halte ich meine Regelungen fest?
Deine Vorstellungen hältst Du in einem Testament fest. Wenn der Ehepartner eingebunden werden soll, kommt ein gemeinsames Testament (z. B. ein sog. Berliner Testament) in Betracht. Wenn eine dritte Person einbezogen werden soll, kann neben oder anstelle eines Testaments auch ein Erbvertrag sinnvoll sein.
Wie und wo bewahre ich das Testament auf?
Sorge dafür, dass Deine Verfügung im Todesfall gefunden wird. Du kannst dies mit einer Person Deines Vertrauens abstimmen – etwa mit der Person, der Du eine Vorsorgevollmacht erteilt hast.
Denkbar ist auch die Hinterlegung beim Amtsgericht oder Notar Du musst nur wissen: Ein Testament, das im Erbfall nicht aufgefunden wird, ist so schlecht wie kein Testament. Dann gilt die gesetzliche Erbfolge .
Besondere Lebenssituationen
Auch bei der Umsetzung kann es sinnvoll sein, eine besondere Famliensituation zu berücksichtigen.
Patchworkfamilie:
Reicht ein einfaches Testament aus oder sind besonders klare Regelungen nötig?
Sollte ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden, um Auseinandersetzungen zu vermeiden?
Wie kann ich sicherstellen, dass Vermögen in der von mir gewünschten Familienlinie bleibt?
Alleinstehend:
Wer soll darauf achten, dass mein Testament gefunden und mein Wille tatsächlich umgesetzt wird?
Ist es sinnvoll, eine Vertrauensperson einzubeziehen oder sogar eine Testamentsvollstreckung vorzusehen?
Braucht es zusätzliche Erläuterungen, damit meine Entscheidungen nachvollziehbar bleiben?
Eltern mit junger Familie:
Sind meine Regelungen so klar, dass mein Partner und meine Kinder im Ernstfall abgesichert sind?
Sollte für bestimmte Vermögenswerte eine besondere Verwaltung oder zeitlich gestufte Zuwendung vorgesehen werden?
Muss ich an weitere Vorsorgeregelungen denken, die mit dem Testament zusammenpassen sollten?
Großeltern:
Ist eine direkte Einbeziehung der Enkel sinnvoll oder führt dies eher zu Unübersichtlichkeit?
Braucht es klare Teilungsanordnungen, damit es unter Kindern und Enkeln nicht zu Streit kommt?
Soll das Testament spätere Entwicklungen in der Familie möglichst flexibel auffangen?